Konzertbesprechungen
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Ilan Amores (Köln, 11.6.18) - A.R. Machines (Dortmund, 12.4.18) - Baby Jesus (Hamburg, 14.4.18) - The Baron Four (Hamburg, 13.4.18) - Beatrice (Berlin, 8.3.18) - The Detroit Cobras (Berlin, 21.4.18) - Delphine Dora (Berlin, 24.3.18) - The Embrooks (Hamburg, 14.4.18) - Wild Evel & The Trashbones (Hamburg, 14.4.18) - The Frantic Five (Hamburg, 13.4.18) - Garageville 2018 (Hamburg, Tag 1: 13.4.18, Tag 2: 14.4.18) - The Launderettes (Hamburg, 13.4.18) - Lau Nau (Berlin, 24.3.18) - The Royal Flares (Hamburg, 13.4.18) - Shoreline (Berlin, 8.3.18) - The Walking Korpses (Berlin, 29.6.18) - The Woggles (Hamburg, 14.4.18, Berlin, 19.4.18)

Fr. 29.06.18 The Walking Korpses, Abstract Nympho - Berlin, Loophole (50 Zuschauer)
Abstract Nympho müssten eigentlich schon aufgrund ihres Bandnamens umarmt werden. Diese Liebeserklärung an San Franciscos Legende Chrome, eine Band, die wie keine andere Punk mit Industrial vermischte und dabei so herrlich schepperte und ihre Düsternis mit soviel Humor versetzte, dass sie eigentlich immer schon jenseits jeglicher Kritik waren.
Das Berliner Duo wurzelt in teils magenumdrehender Depri-Electronika, sehr industriell klingend, angereichert mit nervenzerrenden orientalischen Bläser-Orgien und zart bis hysterischem Mädchengesang. Ich fand das teilweise extrem gut, teilweise unerträglich. Aber genau das ist der Grat, den die Freiheit des Experiments zu gehen hat. Nur so kommen wir weiter, Leute.
The Walking Korpses ist eine Band mittleren Alters, die wohl in Berlin leben, sich aber vorwiegend aus Amis zusammensetzt, wenn ich das richtig verstanden habe. Sie spielen New Wave von damals, kein aufmodernisierter Scheiss der x-ten Generation, keinen Dream-Pop-Mist oder wieauchimmer die verwöhnten Akademiker-Nachkommen von heute ihre Musik nennen. Dies ist roher, unangenehmer Wave der Schmerzen ausdrückt und alles in allem ziemlich abstossend wirkt. Genauso muss es sein. Ich weiss noch, wie sehr ich Mitte der 80er diese Bands liebte, deren Erscheinungen mir erstmal die Kotze hochkommen liessen. Da musste man sich erstmal überwinden aber trotz Ekels blieb man dran, weil man merkte, dass hier was ist, das einen erreicht. Das Geheule des Sängers der Walking Dead transportiert für mich daher schmerzhaftes Wohlgefühl. Endlich mal wieder eine angepisste Band.
Leider fand ich die Songs nicht sehr spannend, zumal nur sehr schwer bis gar nicht herauszuhören war, was der Mono-Synthie und die Gitarre spielten. Dies hätte aber sicher dazu beigetragen , die spezielle Qualität der Band wahrzunehmen. Das mag bis zu einem gewissen Grad auch so beabsichtigt sein, fiel, meiner Einschätzung nach, hier aber dem Sound des Abends zum Opfer.
Schön aber, dass das Publikum die Band schätzt. Der Laden war voll!
(Ralf, 30.6.18)
Mo. 11.06.18 Ilan Amores - Köln, King Georg (30 Zuschauer)
Der aktuelle Bassist der Argies auf Solopfaden. Nun sind die Argies ja nicht die Mütter musikalischen Erfindungsreichtums und da kann auch Ilan Amores keinen draufsetzen. Seine Botschaften sind einfach - im negativ ausgelegten Sinne - und ob das nun sympatisch ist oder schmierig, da stritten sich meine Begleiterinnen anschliessend drüber. Für mich war es einfach zu wenig. Am Ende blieb mir als einziges positives Ereignis seine gute Stimme in Erinnerung. Er spielte einige Songs alleine, einige mit Band und am Ende wurde gecovert, bspw. Ramones. Da zog man dann doch unisono schwer seufzend die Luft hoch. Seine Entertainerqualitäten verspielte er zudem dadurch, dass er viel zu viel zu quatschen hatte, nichts davon interessant und dann erstmal anfing, sich nach seinem Drink umzuschauen um dann gefühlte Minuten daran zu saugen. So standen wir da und sahen jemandem zu, der es nicht eilig hatte. Musste er wegen mir auch nicht, denn mein Interesse hatte er eh schon verloren.
(Ralf, 4.7.18)
Sa. 21.04.18 The Detroit Cobras - Berlin, Heimathafen Neukölln (ca. 600 Zuschauer)
Hm. Schwierige Nummer. Vor 15 - 20 Jahren fand ich die Detroit Cobras superklasse, obwohl sie nur Covers spielten. Aber sie spielten sie sehr rauh, groovig, rauchig, wild und sexy und, dass Greg Oblivian zu einem gewissen Grad involviert war, gab der Sache sowas wie das Gütesiegel. Partymusik für Punkrockers.
Tja, und irgendwann hatte ich genug davon. Die Welt dreht sich weiter. Ich dachte, die seien schon seit 10 oder mehr Jahren aufgelöst und irgendwie dachte ich eh, dass das nur so ein spassiges Seitenprojekt ist. Offensichtlich aber nicht, denn da sind sie wieder und zwar vor der Haustür. Hm ... un nu? Ich hatte mich erstmal gar nicht um eine Karte bemüht und bin dann fast zufällig doch noch mit reingerutscht. Und dann latscht man da eben wo rein, wo man sonst eher nicht reinlatschen würde, kriegt Bier aus Plastikbechern für das man ewig lang anstehen muss und dann ist er einfach da, der fehlende Enthusiasmus.
Und auch die Band tat nichts, diesen wieder aufzubauen. Sängerin Rachel Nagy taumelte schon auf die Bühne während das Saallicht noch an war und machte einen irgendwie derangierten Eindruck, der dann auch während der ganzen Show über anhielt, so dass alle Leute nur noch darüber rätselten, was sie sich wohl eingepfiffen haben könnte. Darüber zu spekulieren, finde ich langweilig, denn sie sang eigentlich gut (wenn auch meist neben das Mikro) und desolates Auftreten ist nun mal als Grundbestandteil des Rock'n'Roll stets gern gesehen. Aber sie waren auch einfach lahm und das ist NICHT Grundbestandteil des Rock'n'Rolls.
Dazu scheint mir die Lokation, so schön das Theatergebäude auch sein mag, nicht für ein derartiges Rockkonzert ausgelegt. Es mag sehr schwierig sein, hier einen guten Sound reinzukriegen und wer weiss, ob die Beschallungsanlage für diese Art von Veranstaltung konzipiert ist. Nachdem was man zu hören bekam, Lautstärke inbegriffen, befürchte ich nein.
Nun bin ich möglicherweise tatsächlich schwer zu begeistern in meinem fortgeschrittenen Dasein. Ihr kennt das ja, so diese herablassende Art des ... Habichallesschongesehen/Hautmichjetztauchnichtum, das manche Leute im Alter entwickeln - und ich schmücke mich damit, diese Haltung perfektionieren zu wollen - aber an diesem Abend war ich ausnahmsweise nicht der einzige, dem es nicht gefallen hat.
(Ralf, 22.4.18)
Do. 19.04.18 The Woggles - Berlin, Cortina Bob (ca. 70 Zuschauer)
Nochmal eine wunderbare Show dieser Alltime-Faves. Ich kann eigentlich die Stunden puren Glücks kaum zählen, die diese Band mir mit ihren Live-Shows verschafft hat.
Nach 30 Jahren immer noch in Flammen, wer schafft das schon? Dazu sind ihre Kompositionen reichhaltig und feinfühlig orchestriert, was sie von vielen Bands ihres Genres abhebt, die oft ihre besten Momente mit Coverversionen haben. Auch in Berlin also die Woggles wieder in typischer Bestform. Wie halten die das nur durch?
(Ralf, 16.5.18)
Sa. 14.04.18 Garageville Tag 2 mit Baby Jesus, The Embrooks (Foto), Wild Evel & The Trashbones and The Woggles - Hamburg, Hafenklang (ca. 300 Zuschauer, ausverkauft)
Wie im letzten Jahr als erstes eine Hippie-Band, Baby Jesus aus Schweden. Waren aber richtig geil, sehr hypnotischer, dichter und wütender Sound, eigentlich wie extrem verwüstete Miracle Workers. Die Embrooks aus England danach mit dem Schlagzeuger-Tausendsassa der Baron Four an Gesang und Bass sind rockiger als ich dachte und für meinen Geschmack deutlich zu viel Gekniedel an der Gitarre. Dennoch ganz gute Kompositionen und ne richtig überdosierte Show. Das war dann zunächst auch etwas problematisch, denn sie hatten mit ihrer Übermotivation zu kämpfen. Die Drummerin brauchte ein paar Songs, um sich richtig einzugrooven und der hippelige Gitarrist pluggte sich ein paarmal aus bzw. vertrat sich bei seinen vielen Schaltern auf dem Boden. Aber als sie sich nach 4, 5 Songs dann eingekriegt hatten, wurde das eine furiose Show, nicht ganz meins, aber schon richtig top Entertainment, allerdings ohne Spoiler und dicke Hosen, ganz sympathisch eigentlich.
Wild Evel ist der mexikanische Frontmann der österreichischen Trashbones, eine recht bunte Truppe aus Kaffeeröstern und Abiturienten, die es aber ziemlich drauf haben und sehr sehr engagiert sind. Da der Wild Evel schon am Vorabend mit einer Performance glänzen konnte, die im Rauswurf aus dem Molotow gipfelete, waren wir natürlich bester Erwartungen. Mit seinem Graveyard-Kostüm, dem Zylinder und den schwarzen langen Haaren hinter einer riesigen Sonnenbrille ist er schon ganz schön überzogen und auch seine Sprüche und Texte greifen tief in die Klischeekiste. Dennoch sind sie gut genug und er ist auch abwechslungsreich genug, um den Unterhaltungsfaktor oben zu halten. Zudem wusste er sich durchaus bei den richtigen Leuten zu bedanken und tat dies in absolut angemessener Art und Weise. Auch am Ende, als Tripsi auf die Bühne musste, sprang er helfend dazu und nutzte sein Showtalent, um die Leute auf die Fortsetzung der Party im Obergeschoss aufmerksam zu machen. Da ist schon alles, wo's hingehört, bei dem. Sauber!
Dann die Woggles und ich war ziemlich aufgeregt, ob sie's noch bringen, denn ich meine, dass es schon mehr als 10 Jahre her ist, dass ich sie das letzte Mal gesehen hatte. Aber nach diesem Abend denke ich, ein paar Jahre geht es noch. Eigentlich sind die fast völlig unverändert, voller Esprit und Sympathie, lustiger Ideen, Schwung, tollen Kompositionen und ausgezeichnetem musikalischen Könnens. Anders als viele Bands im Garagenland leben sie von ihrer expliziten Eigenwilligkeit in Klang und Komposition. Dazu haben sie diese umwerfend tanzbare Rhythmik, die sich durch ihr komplettes Schaffen zieht.
Und so wurde das ein extrem runder Abend, vielleicht der beste komplette Tag auf einem der letzten 3-4 Garagevilles.
(Ralf, 29.4.18)
Fr. 13.04.18 Garageville Tag 1 mit The Royal Flares, The Launderettes, The Baron Four (Foto), The Frantic Five - Hamburg, Molotow (ca. 250 Zuschauer, ausverkauft)
Erstmal eine sehr positive Änderung im Molotow: Mehrere Bars. Das leidige Drängeln am einzigen Getränkeausschank hat ein Ende! Den Backyard mit Beschallung fand ich mit fortlaufender Dauer des Abends dann aber sehr unangenehm, da es keinen einzigen Platz im Haus gab, wo man etwas Ruhe hatte und sich unterhalten konnte, ohne zu schreien.
Dafür ging es mit den Royal Flares aus München aber sehr amtlich los. Im Bassy hatten sie mir zuletzt nicht so gefallen. Heute fand ich sie klasse, insbesondere die Gitarrensounds. Sie sind recht melodiös, manchmal fast byrds-like und eigentlich auch kein Punk. Das alles allerdings ist ein hervorragendes Alleinstellungsmerkmal. Die Kompositionen sind gut, der Gesang exzellent, für meine Begriffe höchstens etwas zu lange Solis. Aber ich sagte ja bereits: Kein Punk!
The Launderettes, eine Fast-All-Girl-Band aus Oslo, mit stompy-surfy Sound, was mir an sich nicht so gefällt und so taten sich auch die Launderettes schwer, mir zu gefallen. Insgesamt wirkten sie aber auch etwas müde, Insbesondere die Sängerin. Sie tat mir ein wenig leid, hatte wohl irgendwie mit ihren Energien zu kämpfen, was natürlich sehr schade ist an einem solchen Abend, wenn man von so weit hergereist ist.
Dieses Problem hatten The Baron Four aus England nicht, denn die platzten geradewegs aus den Nähten vor Ehrgeiz und gefielen mir wie so oft tausendmal besser als vorher im Bassy. Der Schlagzeuger ist wirklich unfassbar gut und ich bin der grösste Fan des blonden Gitarristen. Wie der sich so in seine Rolle reinstoffelt und von nichts aus der Ruhe bringen lässt, nur er und seine Musik, das ist einfach grandios. Die besondere Stärke der Baron Four sind die Arrangements. Sie sind die Meister der Spannungsverlagerung und schaffen es, in jeden Song eine Passage einzubauen, die geradezu explodiert. An diesem Abend haben sie ein paar Covers gespielt, die sie so gut arrangiert hatten, dass sie die Highlights der Show waren. Dadurch verblassten die eigenen Sachen ein wenig, was ich keine gute Idee finde. Aber ihre neue Platte brauche ich unbedingt, denn sie scheint sehr gut zu klingen. Sehr gut = wüst, wild, ungehobelt!
The Frantic Five aus Griechenland am Ende des Abends waren prinzipiell ganz ok. Nicht spektakulär aber solide 60s Kost. Leider war es nach dem furiosen Auftritt der Baron Four schwierig, hier noch mal die totale Begeisterung zu entfachen. Der Abend war durch die Tür.
(Ralf, 28.4.18)
Do. 12.04.18

A.R. & Machines - Dortmund, Konzerthaus (paarhundert Leute, wen interessierts ...)
"Ein Kindheitstraum wird wahr!" So dachte ich, wird die Überschrift lauten. Doch daraus wurde: "Der grösste Beschiss, den ich jemals über mich ergehen lassen musste!"
Doch zurück zum Anfang: Wir schreiben etwa das Jahr 1979. Onkel Ralf sitzt mit seinen damaligen Kinderkumpels in abgedunkelten Kellern und hört wilde Musik. Damals allerdings noch keinen Punk sondern eher Rock, aber niemals das Gewöhnliche. Eines der absolut markantesten Werke ist dabei "Die grüne Reise" aus dem Jahr 1971 von Achim Reichel, in den 60ern als Rattles Frontmann bekannt geworden, später Betreiber des legendären Star-Clubs in Hamburg, danach und bis heute Schlagersänger und dazwischen, versteckt hinter dem Pseudonym A.R. Machines, tüftelte er sich bleibend in das internationale Gedächtnis, durch den Zufall einer Fehlbedienung. Beim Aufnehmen einer neuen Idee auf einem Reel-to-Reel Tonband, nahm er versehentlich einen Loop auf, was ihn aber auf die Idee brachte, damit zu experimentieren. Die grüne Reise hat er im Alleingang eingespielt und wer es nicht kennt, der besorge es sich. Als heranwachsende Kinder jedenfalls ermöglichte uns diese Platte, auf Drogen zu verzichten und dem Reichel nach Wiederaufflammen des Frühsiebziger Krautrocks, nachhaltige Popularität, die darin gipfelte, dass das Ding jetzt tatsächlich wieder auf die Bühne kommt, nachdem der gute Herr sich jahrzehntelang dafür schämte.
Und dieses Schämen hält offensichtlich bis heute an ... irgendwie ... denn für den Live-Auftritt wurde es nicht nur abgeschlichtet, fadgeglättet, die Originale weit runtergemischt und ein Haufen lahmer Klangteig darüber gelegt. Ein einziges gähnendes Gewaber, das nichts mit der liebevollen Frechheit der damaligen Aufnahmen zu tun hat. Die grüne Reise kam kaum darin vor.
Zudem wurden keine Loops live gespielt, es wurde eigentlich fast gar nichts live gespielt, von den Percussion und dem Bass abgesehen. Dem Schöpfer gegenüber befand sich sein Adjudant, der den ganzen digitalisieren Wahnsinn startete und ein wenig die Trommler dirigierte. Manchmal zog er etwas an den Saiten, um nicht ganz aufs Knöpfedrücken reduziert zu sein. Reichel spielte ganz leise etwas Rhythmusgitarre dazu. Ich denke, die dachten, das Publikum merkt nicht, dass die kaum spielen (zu hören war was und man sah auch was sie spielten und was vom Computer kam. Was mich aber noch ärgerte war, dass die sogar zu faul waren, Amps herzuschleppen. Kein einziger Amp auf der Bühne!). Da Reichel auch nicht sang und auf der grünen Reise wird durchaus gejauchzt, was die Lunge hergab, hätte man auf ihn eigentlich komplett verzichten können. Ohne Witz, der eine drückte die Knöpfe und der andere machte gar nichts. Und das ist, was ich Beschiss nenne. Fragt mich nicht, was ich erwartet hatte, aber die Platten kann ich mir zuhause anhören. Immerhin hatte ich 50 (in Worten: fünfzich) beschissene Taler hingelegt und zwar dafür, dass mir das Herz rausgerissen wurde. Im Gegensatz zu dem Herrn im weissen Schlafanzug auf der Bühne, liebe ich sein Werk bis ins kleinste Detail und konnte schon mit 15 Jahren die grüne Reise auswendig hoch- und runtersingen.

Ich bin nicht enttäuscht, ich bin zutiefst getroffen!!!

Das Publikum bedankte sich fürs Verarschtwerden mit stehenden Ovationen, weshalb ich sie damit aburteilte, dass das doch eh alles CD-Käufer sind und deswegen ist diese beschissene neue Box, die neben allen AR Machines Platten, Liveaufnahmen aus den 70ern und eben die aufbereiteten Klänge denen man an diesem und ein paar anderen Abenden in Deutschland lauschen durfte, auch nur auf CD erschienen. Da ich nur eine der 5 AR Machines Platten habe und alles andere nicht mehr bezahlbar ist, hätte ich das sogar gekauft, würde ich mir diese Musik jemals wieder anhören können, ohne die Bilder dieses schrecklichen Abends vor Augen zu haben. Ich habe aber schon 50 Euro für nichts bezahlt. Wer sie nachweisbar geklaut hat, von dem würde ich sie gerne mal ausleihen.
(Ralf, 18.4.18)
Wir wurden beraubt!

Sa. 24.03.18 Lau Nau, Delphine Dora - Berlin, Ausland (ca. 30 Zuschauer) Foto von Arve Knudsen, ohne Erlaubnis von der Website von LauNau kopiert.
Tja, hmmm ... weiss noch nicht, wie ich mich aus dieser Nummer rausstehlen soll. Ich fand's einen ungemütlichen, beklemmenden Abend. Einmal unser erster Besuch im Ausland, in dem ich mich fast schon eingekerkert fühlte. Der Kellerraum ist eigentlich supercool und ich bin total mit den Veranstaltern, die nett sind und sich hier viel Mühe machen. In dem bestuhlten Raum kann man sich aber kaum bewegen. Trotz der Enge fühlte ich mich total distanziert zu allen anderen Menschen, die da waren. Es herrschte eine betreten verklemmte Atmosphäre wie bei einem Schulkonzert und man traut sich kaum den Kopf zu bewegen, damit das Knacksen der Halswirbel nicht die Performance stört. Ich weiss, ist alles MEIN Problem. Aber die Möglichkeit, sich ein bisschen zu bewegen, und auch mal unauffällig den Platz zu wechseln, ev. mal aufs Klo zu gehen, noch ein weiteres Getränk zu kaufen, egal was, hätte ich extrem erleichternd empfunden.
Zu hören und zu sehen und im wahrsten Sinne ihre extreme Durchlässigkeit zu fühlen, gab es die Französin Delphine Dora, eine Pianistin, die mir schon nach den ersten Tönen Panikattacken ins Nervensystem trieb. Meine idiotisch höflich-respektvolle Haltung gegenüber jeder Art von Musikern liess mich jedoch zu einem Stein erstarren, der den Holocaust über sich ergehen lassen muss. Als die Dame dann zu ihrem verkennbar ausdruckslosen Gesang ansetzte, wusste ich nicht mehr, ob ich mitleidvoll oder empört über soviel Selbstvertrauen sein sollte und ich wusste es nicht, bis zum Ende dieser entsetzlichen Stunde ... denn, wie alle Künstler, deren Schaffen auf einem anderen Niveau steht als ihr Selbstbewusstsein, wusste sie nicht, wann die richtige Zeit für das Ende ist. Ich mag ein Kunstbanause sein - und es ist nicht, dass sie sich versungen oder verspielt hat, denn das ist in diesem Forum kein Abwertungskriterium - aber für mich überwog eine ganz hinterhältige Art von als schüchtern-dezent getarnter Aufdringlichkeit, die mich verärgerte und meine Begleiterin aggressiv machte, wie sie mir hinterher erzählte.
Die Finnin Lau Nau war da weit weniger anstrengend, wirkte weniger offensiv und ruhte sehr angenehm ihr ihrem Selbstvertrauen. Was ich zunächst vermisste, war ein Instrument. In der Beschreibung stand was von Gitarre. Vor ihr befand sich allerdings nur ein Koffer mit Kabeln und Steckern, eine mittlere Armada von Effektgeräten und Loopern aber immerhin KEIN Laptop. Ihr elektrischer Klangerzeuger oszillierte also die melancholischen Harmonien, zu denen sie sich dann teils am Klavier begleitete (von dessen Anwesenheit sie aber wohl vorher gar nicht wusste - was ich doch sehr beachtlich fand, denn offensichtlich stellte sie sofort ihr Programm daraufhin um, wozu so kurzfristig nicht jeder Musiker in der Lage ist) und sang, mal ohne Text, mal mit.
Nun hätte ich mir nichts mehr gewünscht als, dass sie sich erspart hätte, uns den Inhalt der Texte zu erklären, denn dies würgte nicht nur die Atmosphäre ab, die sie immerhin - ganz anders als ihre Vorsängerin - aufgebaut hatte, sondern stahl sich selbst den Zauber. Wem zur Hölle, muss denn ich, als Analphabet, das Wesen der Wirkung der Kunst nahebringen, das den Inhalt zwar transportiert, aber die Farben und die Emotionen und die Worte und die Klänge auf Schwingen in die Herzen trägt, und so diesen Rausch erzeugt, der uns erstarren und leben lässt. Und das mit dem Herzen ist nur ein Beispiel. Der Ebenen gibt es viele und es gibt nichts Tödlicheres, als ein Teil des Ganzen herauszunehmen und erklären zu wollen ... nur weil sie eben auf finnisch singt und das keiner versteht. Herrgott, das war der erste Todesstoss und der zweite kam, als sie Delphine Dora fragte, ob diese Lust hätte, mit ihr zusammen noch ein Stück zu improvisieren. Hatte sie vorher nicht zugehört? Das ist ja quasi, als hätte Da Vinci dem ersten Möchtegern, der vor seinem Haus rumlief, einen Pinsel in die Hand gedrückt, um bei seinem noch nicht fertig gestellten Werk mit Hand anzulegen. Eine unglaubliche Dummheit, die man ihr mal vor Augen halten müsste.
Meine Begleiterin stob angesichts dieser Ankündigung sofort nach draussen und ich bewunderte ihren Mut und träumte von Freiheit, einem neuen Bier, einer Zigarette. Tja, MEIN Problem.
So wurden wir alle Zeugnis einer nicht gewollten und unbeholfenen Zugabe. Lau Nau steckte Kabel und drehte Knöpfe. Was dabei aus den Lautsprechern knarzte, klang soweit gut. Delphine aber tippte dazu auf dem Klavier rum , wie eine unsensible Sekretärin auf der mechanischen Schreibmaschine und ... entdeckte in einem Moment unheilvoller Berufung, dass da noch das Mikrofon hingt, direkt vor ihrem Kopf. Da Lau Nau sehr gut singen kann, auch wenn sich das am Ende auf wenig mehr als tausend Mal gehörtes Mädchen-Gejammer beschränkte (nein, jetzt ist Schluss, es war eigentlich ziemlich gut), war ab diesem Moment klar, dass das Selbstbewusstsein von Delphine Dora unter Fehlschaltungen leidet. Ich fühlte mich gefangen und erniedrigt, meine Rezeptoren, mein Empfinden, meine Sinne wurden beleidigt und ich kann kaum glauben, dass ich der einzige im Raum war, dem das so ging.
Und doch erhoben wir am Ende unsere schreck-erstarrten Glieder und begannen in genauso fehlgeleiteter Höflichkeit zu klatschen, die DD nur zu weiteren Untaten anstiften wird. Quasi sind wir schuld daran, dass hunderte Menschen nach uns das gleiche Schicksal ereilen wird. Eine Unverantwortlichkeit, durch die ich sämtliche Achtung vor mir selbst verloren habe. Offensichtlich hab ich aber noch nie welche besessen, denn tatsächlich fühle ich nur eine leichte Reue, jetzt wo ich genauer drüber nachdenke. Zur Hölle mit mir! Wie kommt es eigentlich, dass jeder in diesem verfluchten Internet ablassen kann, was er will. Wie kommt es, dass Leute wie ich Konzerte besuchen dürfen? Brauchen wir hier nicht Regeln, die Leute wie mich einsperren, um Leute wie Delphine daran zu hindern, weitere Leute zu foltern?
Nein, denn Ihr nehmt mich hoffentlich nicht ernst, hehehe. 28 von 30 Leuten hat es an diesem Abend vielleicht gefallen. Ich hoffe auf 25.
(Ralf, 25.3.18)
Do. 08.03.18

Shoreline, Béatrice - Berlin, Schokoladen (ca. 50 Zuschauer)
Noch mal Béatrice (Foto). Is ja immer gut, ne Band mehrmals zu sehen, auch in so kurzer Zeit und mit veränderten räumlichen Gegebenheiten. Man kommt der Band und ihren Intentionen etwas näher und der Sound im Schokoladen ja immer auch schoko-like. Naja, manchmal ist ja auch ein schrottiger Sound besser und es gibt auch Bands, da fallen erst bei guten Bedingungen gewisse Schwierigkeiten auf. Nicht so bei Béatrice. Auch hier wieder ein bemerkenswert lockerer und trotz aller Ernsthaftigkeit vergnüglicher Auftritt.
Shoreline aus Münster danach ebenfalls mit was ich als Emo-Punk bezeichnen würde, allerdings im Gegensatz zu Béatrice ohne einen einzigen Hook, den man nicht genau an dieser Stelle erwartet hätte. Keine Note, keine Bewegung barg Überraschung und daher auch keine Inspiration. Radio-Musik.
(Ralf, 18.4.18)


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Teufel